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Essstörungen *

Esssörungen stellen in der heutigen Gesellschaft ein zunehmend bedeutsameres Problem dar. Das vielfach in den Medien propagierte Schönheitsideal eines schlanken, sportlichen Körperbaus und weit verbreitete Vorstellungen von der perfekten Körperlichkeit provozieren eine erhebliche Zunahme psychiatrischer Erkrankungen der alltäglichen Ernährung, welche unter dem Oberbegriff Essstörungen zusammen gefasst werden können.

Man unterscheidet drei unterschiedliche Krankheitsbilder: einerseits Anorexia nervosa (Anorexie) und Bulimia nervosa (Bulimie), andererseits eine Störung, die Binge eating disorder genannt wird.

Der Begriff der Anorexie, aus der Modewelt bekannt durch sehr bedenklichen Entwicklungen zu untergewichtigen Models, die zur Einführung von Mindest-Body mass Index (BMI)-Grenzen auf der Modewoche von Madrid geführt haben, sowie der Ausdruck Bulimie, charakterisiert durch selbst herbeigeführtes Erbrechen nach Mahlzeiten, haben Einzug gehalten in die Alltagssprache. Beinah Jeder kann mit dem Begriff Magersucht mittlerweile etwas anfangen. Aber auch das binge eating spielt als eigenständiges Krankheitsbild mittlerweile keine untergeordnete Rolle mehr.

Erste Beschreibungen der Anorexie gehen auf Richard Mortons Beschreibung aus dem Jahre 1689 zurück, in denen er von "nervösen Auszehrungen und einem nur mit Haut bespannten Skelett" spricht.
Definitionsgemäß findet sich ein Körpergewicht, welches einem Body Mass Index, berechnet aus dem Körpergewicht in Kilogramm dividiert durch die Größe in Metern zum Quadrat, von weniger als 17,5 entspricht. Damit liegt ein Untergewicht vor, welches selbst induziert wurde, auf dem Boden einer sogenannten Körperschemastörung: Patienten, die an einer Anorexie leiden, empfinden eine feste Überzeugung "zu dick zu sein" und leiden unter bereits minimalen Gewichtszunahmen.
Schätzungen zufolge sind bis zu 1,5% der 15-24jährigen Mädchen bzw. Frauen von einer solchen Essstörung betroffen, wobei auf acht erkrankte Frauen statistisch ein erkrankter männlicher Patient folgt. Besonders bedenklich ist dabei, dass eine Verschiebung in zunehmend jüngere Altersgruppen stattfindet. Bestimmte Risikogruppen, wie Balletttänzerinnen, Models, aber auch Sportler (z.B. Skispringer) scheinen signifikant häufiger zu erkranken.

Therapeutisch erfolgt eine multimodale stationäre Therapie: Medizinisch-diätisch ist das wichtigste Therapieziel die Wiederherstellung eines gesunden Körpergewichts. Eventuelle körperliche Komplikationen, die durch den Ernährungsmangelzustand bereits entstanden sind, wie Blutarmut, brüchige Fingernägel oder auch Hautprobleme, sollten nach Möglichkeit behandelt werden.
Die psychotherapeutisch vorrangige Aufgabe ist es, an Anorexie Erkrankten eine gewisse Krankheitseinsicht und -akzeptanz zu vermitteln. Dadurch eröffnet sich eine Art Behandlungsvertrag oder Kooperation zwischen Patient und Behandler. Auf dieser Grundlage sollten dann Beratungen und Schulungen stattfinden, die ein Gefühl für die Erkrankung vermitteln und idealerweise eine ausreichende Rückfallprophylaxe darstellen.
Es scheint dabei besonders wichtig, die Kraft der Beeinflussung durch Werbung, mediale Schönheitsideale und gesellschaftlichen Druck gerade auf labile Persönlichkeiten zu bedenken. Statistische Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass der Körperfettanteil bei Schauspielerinnen im Durchschnitt etwa 10% beträgt; empfohlen werden mitunter 25%. Tendenzen der gesellschaftlichen Entwicklung unseres Schönheitsideals lassen sich auch am Design von Schaufensterpuppen nachvollziehen: Der Hüftumfang hat sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute um ca. 20cm verkleinert. Diese Entwicklungen zeugen davon, dass sich die Definition von Schönheit eher in Richtung einer untergewichtigen Ernährungssituation entwickelt. Wenn dieser Zustand nicht bereits schon lange erreicht wurde, so ist es nachvollziehbar beispielsweise in der Mode-Szene.

An Bulimie erkrankte Menschen empfinden eine Gier nach Essen und leiden unter charakteristischen Essattacken gegen die sie, zum Beispiel durch selbst herbeigeführtes Erbrechen versuchen gegenzusteuern. Auch Medikamente, wie Abführmittel (Laxantien) und Schilddrüsenmedikamente werden genutzt um die krankhafte Furcht vor dem Dickwerden zu bekämpfen.

Meist besteht bei an Bulimie leidenden Patienten Normalgewicht, weshalb sich eine durchaus beträchtliche Dunkelziffer vermuten lässt. Diese Menschen fallen durch ihren Körperbau nicht in der gleichen Art und Weise auf, wie schwer untergewichtige Models. Eine Vermutung beim ersten Anblick gelingt in diesem Fall selten oder unter Umständen überhaupt nicht. Man geht Schätzungen zufolge von 1-4% Erkrankten bei 15-30jährigen Frauen aus und schätzt den Altersgipfel der Erkrankung bei 16-19 Jahren. Insbesondere bei dieser Erkrankung finden sich emotional instabile Persönlichkeiten und häufig auch Persönlichkeitsstörungen, die im Extremfall mit selbstverletzendem Verhalten einhergehen. Es besteht auch eine auffallende Assoziation zu Fällen von familiärer Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch, daher lässt sich unter Umständen auch die hohe Dunkelziffer dieser Essstörung erklären. Die Scham an dieser Essstörung erkrankt zu sein und die möglicherweise auslösende Ursache treiben Betroffene dazu, niemandem von der bestehenden Problematik zu berichten. Sie bleiben mit dieser Störung der Ernährung allein, oftmals über mehrere Jahre und sprechen nicht über die bestehende Problematik.
Die Behandlung der Bulimie erfolgt überwiegend in einem ambulanten Therapiekonzept und zielt unter anderem auf die Förderung der Selbstwahrnehmung ab und zeigt Erkrankten Möglichkeiten zur Verfestigung kognitiv-behavioraler Strategien auf.

Die Binge Eating Störung ist eine Erkrankung, die eng mit der Bulimie verbunden ist, es kommt nämlich ebenso zu periodischen Heißhungeranfällen (Fressanfällen) über die keinerlei Kontrolle besteht, allerdings kommt es nicht zu anschließendem Erbrechen. Langfristig ist hierbei mit Übergewicht zu rechnen und es bestand lange Zeit Unklarheit über die Definition und Anerkennung dieser Essstörung. Mittlerweile ist diese Kranksheitsentität in der Wissenschaft allerdings akzeptiert und man schätzt die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf bis zu 2 Millionen. In den USA gehen Experten davon aus, dass ca. 2% der amerikanischen Bevölkerung von einer binge eating disorder betroffen sind.

* Für Angaben auf dieser Internetseite wird keine Haftung übernommen. Die hier dargestellten Informationen stellen keine medizinische Beratung dar.


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